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Gerüche vermitteln sehr interessante EindrückeEine aktuelle Publikation beschäftigt sich mit dem Thema Gerüche und wie sie sich auf Stress und Sicherheit bei Hauskatzen auswirken. Dies ist ein guter Anlass, einige menschliche Gewohnheiten zu diesem Thema unter die Lupe zu nehmen und zum Vorteil der Katze zu verändern.

Zugegeben, der Geruchssinn der Samtpfoten ist nicht so gut ausgebildet wie der von „langnasigen“ Hunden, Schweinen oder Ratten – in eine große bzw. lange Nase passen mehr Riechzellen als in eine kurze. Aber auch Katzen leben in einer Welt der Düfte, die ihr Leben und v.a. ihre Emotionen viel stärker beeinflussen als uns bewusst ist. Die Autorinnen Kristyn R. Vitale Shreve und Monique A.R. Udell haben die im Vergleich zu Hunden bisher wenigen Forschungsergebnisse in ihrem interessanten Artikel zusammengefasst. Sie betonen, wie wichtig Gerüche für das Wohlbefinden von Hauskatzen sind und dass sie Sicherheit vermitteln sich und auf Verhaltensauffälligkeiten auswirken können – positiv wie negativ.

Einsatzgebiete des Geruchssinns

Bei der Jagd spielt der Geruchssinn keine allzu große Rolle. Nur wenige Katzen verfolgen die Duftspuren von Mäusen, spüren ihre Beute viel besser mit ihrem empfindlichen Gehör und ihrer guten Sehfähigkeit auf. Leckeres Futter können sie dagegen sehr gut erschnuppern.

Sehr wichtig ist der Geruchssinn jedoch für die Kommunikation, v.a. mit Artgenossen. Die ursprünglichen Einzelgänger begegnen sich zwar heutzutage auch direkt, informieren sich über ihre gleichartigen Nachbarn aber gerne und recht ausführlich indirekt über chemische Signale. Dies sind die persönlichen Duftnoten, die sie mit Harn und Kot, aber auch Fußgeruch v.a. beim Kratzmarkieren, und Körpergeruch durch Reiben an Gegenständen und Lebewesen hinterlassen. Diese Düfte liefern eine geruchliche Übersicht über die Besucher eines Gebietes: Zeitpunkt des Aufenthalts, Status (Kater oder Kätzin, rollig oder trächtig), Gesundheitszustand und vieles mehr, sehr wahrscheinlich auch über den emotionalen Zustand, z.B. Angst oder Selbstsicherheit.

Manche Katzen „berauschen“ sich auch an einigen pflanzlichen Düften, v.a. an Katzenminze (Catnip) und Baldrian. Dabei setzen sie sich intensiv mit den Duftquellen auseinander, indem sie diese beschnuppern, ablecken, vollsabbern, sich darauf wälzen, teilweise auch verprügeln. Dieses Schauspiel dauert nur jeweils wenige Minuten. Anschließend putzt sich die Katze und geht entspannt ihrem weiteren Tagewerk nach, diese duftenden Eindrücke wirken zumindest kurz- bis mittelfristig beruhigend. Auch mit anderen Pflanzen beschäftigen sich Katzen, z.B. Lavendel, Sandelholz, die Vorlieben sind jedoch ziemlich individuell ausgeprägt.

Wahrnehmung von Duftstoffen

Nach dem Schnuppern flehmt KatoNeben der Nase als bekanntes Riechorgan können auch „durch den Mund riechen“. Hinter den Schneidezähnen liegt der Eingang zum Vomeronasalorgan (VNO; auch Jacobsonsches Organ genannt), einer sackartigen Struktur im Gaumendach. Sie wird bei der Wahrnehmung von Pheromonen eingesetzt, die mit dem Speichel der Katze vermischt ins VNO weitergeleitet und im Gehirn analysiert werden – wie ist noch weitgehend unbekannt. Diese Art der Wahrnehmung erkennt man am Flehmen, einem speziellen Gesichtsausdruck der Katze, bei der sie schmatzt, mit leicht geöffnetem Mund die Oberlippen etwas hochzieht und einige Sekunden lang mit einem abwesenden Ausdruck innehält. Katzen flehmen hauptsächlich, wenn sie Urinspuren von Artgenossen wahrnehmen, denn zu den Pheromonen zählen auch die interessanten sexuellen Duftstoffe mit sehr persönlichen Informationen über ihre Träger. Aber auch andere Moleküle regen die Katze zum Flehmen an, z.B. moschusartige Düfte oder manch andere Bestandteile menschlicher Körperpflegeprodukte.

Duftmarkierungen

Ihre persönlichen Duftnoten liefern Katzen mit ihren Ausscheidungen sowie Duftdrüsen ihrer Haut. Ihr Urin und Kot enthält Infos zumindest über ihren sexuellen Status, den Zeitpunkt des „Geschäfts“ und den emotionalen Zustand (entspannt, erregt, ...); weitere Informationen sind wahrscheinlich, konnten aber wegen Schwierigkeiten ihrer Analyse bisher nicht nachgewiesen werden.

Die meisten Hauskatzen vergraben ihre Exkremente, die sie in der Kernzone ihres Territoriums abgesetzt haben, vermutlich auch aus hygienischen Gründen (Vermeidung von Fliegen und anderen Parasiten). Außerhalb dieser „Wohlfühlzone“ bleiben die meisten Hinterlassenschaften dagegen offen oder werden als Duftmarkierung sogar gezielt platziert, meist in Form von Harnmarkierungen, aber auch Kot. Als solche informieren sie Artgenossen über einen früheren Besucher bzw. Bewohner; sie ändern ihren Weg nach dem „Lesen“ einer solchen Botschaft nicht, wissen aber, dass dieses Gebiet nicht katzenfrei ist und nicht ohne weiteres neu besetzt werden kann. Die Markierungen dienen also nicht zur Abschreckung, sondern zur Kommunikation – wer war wann wo und wie ging es ihm/ihr? – und als geruchliche Referenzpunkte: Hier bin ich daheim. Vor allem mit Harn markieren Katzen im sozialen Kontext und dann v.a. während der Ranz, aber auch reaktiv, d.h. als Reaktion auf eine aufregende Situation, quasi im aufgewühlten Zustand, oder krankheitsbedingt. Die Hintergründe müssen bei der Verhaltensberatung und -therapie harnmarkierender Katzen unbedingt berücksichtigt werden, obwohl die Ursache nicht immer einfach zu finden ist.

Den duftenden Hinterlassenschaften der Hautdrüsen stehen wir weitaus gelassener gegenüber, schon weil wir sie nicht riechen können – Katzen aber schon. Diese Drüsen sind über die gesamte Hautoberfläche verteilt, besonders dicht sitzen sie in der Kopfregion (Schläfen, Kinn, Lippen), um die Analregion und zwischen den Zehen. Katzen hinterlassen ihre Kopf- und Körperdüfte beim Reiben an Objekten und – befreundeten – Lebewesen, v.a. das so genannte Köpfchengeben gilt als Vertrauensbeweis einer Katze. Die Wahrnehmung ihrer eigenen Hautduftnote beruhigt die Katze, vermittelt ihr Sicherheit.

Wie Düfte auf Verhalten wirken

Für neugeborene Katzen sind Düfte lebenswichtig, denn nur mit Hilfe ihres Geruchssinns finden sie die Zitzen ihrer Mutter. Der Nestgeruch wirkt auf junge Katzen beruhigend. Er besteht aus einem individuellen Gemisch aus mütterlichen Körperdüften, Spuren von Urin und Speichel aller Bewohner. Die Kitten verhalten sich deutlich ruhiger, wenn sie ihr Nest riechen können als auf frisch gewaschenen Laken.

Diese große Bedeutung wird auch im späteren Leben von Hauskatzen erkennbar, in Bezug auf ihr Sozialverhalten und -leben. Artgenossen werden am liebsten zunächst berochen, fremde bevorzugt indirekt durch ihre Hinterlassenschaften: Urin und Kot, aber auch die geruchliche „Visitenkarte“, die sie beim Sitzen auf dem Untergrund hinterlassen, oder den Fußgeruch. Bei bekannten Katzen weist der „Nasengruß“, d.h. gegenseitiges Beschnuppern der Nasenspiegel, auf die wichtige Geruchskontrolle hin. Anschließend beriecht man als Katze gerne den Körper und die Analregion, den Ursprung der eben schon genannten „Visitenkarte“. Übrigens reagieren manche Katzen sehr ablehnend auf einige unserer Körperpflegeprodukte/Cremes (v.a. mit Palmölen), aber auch Hormonpräparate – einige stehen im Verdacht, bei Katzen Aggression auszulösen; dies sollte man bei solchen Verhaltensproblemen in Erwägung ziehen.

Die Kommunikation über Gerüche gehört zum grundlegenden Verhaltensrepertoire der Katzen. Bei einem Leben ohne Freigang sind diese Möglichkeiten stark eingeschränkt, sie können keine Botschaften von Nachbarn „lesen“ und selbst keine aussenden. Stattdessen müssen sie mit unseren Düften und Gerüchen leben: Reiniger, Deos, Parfüms, Desinfektionsmittel, Raumdüfte, etc., die aus Sicht der Katze die wesentlichen Infos – über sie und uns – vernebeln. Dabei können Katzenhalter mit einigen recht einfachen Methoden und duftenden Mitteln sowohl Probleme vermeiden als auch die Wohnung zu einer echten Wellnessoase machen.

So vermitteln Sie Ihrer Katze Sicherheit:

  • Liegedecken nicht zu häufig waschen; Wegwischen ihrer Haare reicht i.d.R. um dem Sauberkeitsbedürfnis der Katze zu entsprechen;
  • markierte Möbel oder Türrahmen nicht alle auf einmal abwischen, obwohl sie mit den gräulichen Belägen nicht appetitlich wirken; auf Ihre Katze wirken sie beruhigend;
  • keine chemischen Raumdüfte und Räucherstäbchen verwenden, die Katzen verunsichern und sogar Krankheiten (Krebs) auslösen können;
  • Vorsicht mit ätherischen Ölen: Zitrusdüfte ertragen Katzen nur in geringen Mengen bzw. an wenigen Stellen im Haus; Teebaumöl ist Gift für Katzen!
  • die Katze vor dem Streicheln an den Händen schnuppern zu lassen, gehört zur höflichen Etikette; manche Miezen lehnen es kategorisch ab, mit dort haftenden, unangenehmen Gerüchen „bestrichen“ zu werden; respektieren Sie dies und waschen Sie vor dem Anfassen Ihre Hände;
  • Katzenklos nur dann desinfizieren, wenn eine infektiöse Krankheit vorliegt; ansonsten wirkt der Geruch abschreckend; es reicht heißes Wasser oder Neutralreiniger;
  • Harnmarkierungen an den äußeren Grenzen der Wohnung gründlich säubern: mit hochprozentigem Alkohol und/oder Enzymreiniger (UrinAttacke, Biodor, Urin-off sind mir als wirksam bekannt), nicht mit ammoniak- oder chlorhaltigen Reinigern (!), und mit Folie großflächig vor „Auffrischung“ schützen;
  • Im Mehrkatzenhaushalt können Probleme durch Geruchs-Fehlinterpretationen entstehen, etwa nach dem Baden einer Katze, einem Tierarztbesuch (v.a. inkl. Behandlung), einem längeren Ausflug; diese können Sie vermeiden, indem Sie die betroffene Katze mit einer (ihrer!) Liegedecke abreiben, bevor sie zu den anderen kommt.

So bereichern Sie das Leben Ihrer Katze:

  • ein Außengehege bietet ihr zumindest Gelegenheit, persönliche Infos an Artgenossen weiterzugeben und einige wenige (an den Zäunen) zu erfahren;
  • sie in einer sicheren Umgebung an der Leine auszuführen – wenn Sie dies am besten schon mit der jungen Katze sorgfältig trainiert haben –, verschafft ihr die Möglichkeit, durch Reiben Körperdüfte an Bäumen und/oder Zäunen auszutauschen;
  • wenn diese beiden Methoden nicht möglich sind, bringen Sie gelegentlich Duftquellen von draußen heim:
    • hervorragend beschäftigt der Uringeruch von (gesunden) und wechselnden Artgenossen – wir wollen ja auch nicht immer dieselben Nachrichten lesen;
    • aber auch Gras und Heu (von unbehandelten Wiesen) können Katzen in andere Sphären versetzen, besonders Kräuter, z.B. Katzenminze, Thymian, Lavendel, oder Baldrian-Wurzelsaft; sie wirken belebender, wenn sie 1-2 Mal täglich kurz angeboten werden; manche Katzen mögen auch Achsel- oder Fußschweiß ... probieren Sie es aus.

Diese Tipps sollten Sie besonders bedenken, wenn Ihre Katze Zeichen von Unsicherheit zeigt, etwa durch auffälliges Verhalten. Aber auch Ihre „normale“, gesunde Hauskatze wird sich über diese Maßnahmen freuen.

Quelle: VITALE SHREVE, K.R. & M.A.R. UDELL (2017): Stress, security, and scent: The influence of chemical signals on thesocial lives of domestic cats and implications for applied settings. – Applied Animal Behaviour Science, 187: 69–76.

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