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Wichtig: Verhütung und Schutz

Streunerkatzen leidenDem Wohlergehen ALLER Hauskatzen zuliebe müssen wir ihre Fortpflanzung dringend einschränken. Lassen Sie Ihre Katze und Ihren Kater rechtzeitig kastrieren und unterstützen Sie Kastrationsaktionen für verwilderte Katzen, z.B. über das Bündnis Pro Katze.

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Körperkontakt und Schmusen mit "ihrem" Menschen sind den meisten Katzen enorm wichtig.

Auf die Frage, welche Bedeutung wir für Hauskatzen haben, lieferten bisherige Studien keine eindeutigen Ergebnisse. Eine aktuelle Arbeit bestätigt zwar unterschiedliche Vorlieben der Individualisten, den meisten sind jedoch Menschen wichtiger als Futter, Spiel und Geruchseindrücke.

Über Hauskatzen ist die Menschheit sich noch lange nicht einig, auch bei der Frage, ob sie nun sozial sind oder nicht und z.B. mehr am Haus hängen als am Menschen. Nun ja, DIE Hauskatze ist flexibel, kann mit Menschen leben, muss es aber nicht. Seit der Domestikation sind die ursprünglichen Einzelgänger offener für ein Leben in Gruppen, mit wem auch immer. Allerdings ist schon diese Veranlagung nicht bei allen gleich ausgeprägt und wird ergänzt durch Erfahrungen, hauptsächlich in der Kindheit. Das ist wohl die Grundlage dafür, was einer individuellen Katze wichtig ist und was sie mag: welches Futter, aber auch, ob sie Nähe zu Menschen ablehnt oder genießt und wie wichtig die menschliche Bezugsperson ihnen ist. Manche mögen uns nur als Dosenöffner "nutzen", aber für viele Katzen haben wir weit mehr Vorteile.

Katzen sind beziehungsfähig

In einem unbekannten Raum reagieren Katzen unterschiedlich, je nachdem, ob ihre menschliche Bezugsperson anwesend ist, ein Fremder, oder ob sie alleine sind. Sie nehmen häufiger Kontakt zu „ihrem“ Menschen auf als zu einem fremden und untersuchen den Raum länger, wenn der Sozialpartner anwesend ist. Mit diesem Versuch wiesen Claudia Edwards und ihre Kollegen die Beziehungsfähigkeit von Hauskatzen nach und dass die Anwesenheit eines menschlichen Freundes sie beruhigt.

Allerdings suchen verängstigte Katzen keinen Schutz bei ihren Bezugspersonen, wie man es bei Kindern und Hunden beobachten kann. Zu diesem Schluss kamen Alice Potter und Daniel Simon Mills, nachdem sie den Versuch von Edwards in leicht veränderter Form durchführten. Dieses Ergebnis bestätigt viele Beobachtungen, in denen Katzen beängstigenden Situationen entfliehen – und sich auf der Flucht meist sogar von der „tröstenden“ Bezugsperson bedrängt fühlen. Bei großer Angst tritt eben doch der Einzelgänger in jeder Katze in den Vordergrund, der sich selbst in Sicherheit bringt, statt diese bei einem Sozialpartner zu suchen. Aber auch hier gibt es Ausnahmen, etwa wenn die Katze "ihren" Menschen ruft, um eine fremde Katze aus ihrem Garten zu verscheuchen (Bericht einer meiner Kundinnen).

Unsere Meinung ist ihnen (manchmal) wichtig

Ob Katzen sich an den Reaktionen „ihrer“ Menschen orientieren und sich ähnlich wie diese verhalten, untersuchten Isabella Merola und ihr Team mit Hilfe eines unbekannten, leicht „bedenklichen“ Objekts. Sie stellten dazu im Heim jeder Katze einen Ventilator mit flatternden Stoffstreifen auf und an. Dabei fielen zunächst die häufigen Blickwechsel der Katzen zwischen Ventilator und Mensch auf. Die meisten Katzen blieben angesichts der flatternden Bänder gelassen, wenn der Mensch es ebenfalls war, bzw. verhielten sich unsicher, wenn „ihr“ Mensch Angst simulierte. Gut sozialisierte Katzen mit einer guten Bindung zu Menschen übernehmen bei fragwürdigen Ereignissen also durchaus deren Emotionen und können sie demnach auch erkennen. Auch meine Katzen lassen sich von meinen Reaktionen auf unerwartete Ereignisse anstecken, reagieren wie ich aufgeregt oder gelassen, zumindest wenn sie die Situation nicht allzu bedrohlich empfinden.

"Was gibt's?" fragt Paulchen (nur) mit seinem Blick, wenn er angesprochen wirdReaktionen auf Rufe ihres Namens

Die japanischen Forscher Atsuko Saito und Kazutaka Shinozuka kamen im Zuge ihrer Studie zu dem Schluss, dass Hauskatzen ihre menschlichen Bezugspersonen auch durch Rufe ihrer Namen von Fremden unterscheiden können. Die Katzen reagierten aber auf „ihre“ Menschen nicht mit einer (vokalisierten) Antwort oder Schwanzwedeln, sondern indem sie sich der Quelle des Rufs (hier: einem Lautsprecher) zuwandten, d.h. Kopf und/oder Ohren in seine Richtung drehten. Katzenhalter kennen diesen „fragenden“ Blick, der quasi eine Bitte nach mehr Informationen über eventuell anstehende Interaktionen ist, z.B. ein Hinweis auf Essen, Spiel, Streicheln etc.

Wie eine Katze auf ihren Namen reagiert, hängt ganz wesentlich davon ab, ob und wie sie ihn gelernt hat und was sie von dem Menschen, der ihn ruft, erwartet: leckeres Essen, ein nettes Spiel ... oder Fahrt zum Tierarzt, Zwangsschmusen ... oder gar nichts. Da die wenigsten Katzenhalter auch -trainer sind mit Kenntnis der Lernbiologie, wundert es nicht, dass ihre Fellnasen nur selten kommen, wenn sie ihre Namen hören. Nichts für ungut, aber nur Verhalten, das entsprechend verstärkt, d.h. belohnt wird, tritt häufiger auf. So lernen Katzen schnell, wie sie (uns) rufen müssen, damit wir ihren Napf füllen, wie sie uns zum Streicheln auffordern, zum Öffnen einer Türe etc. Sie haben es uns beigebracht durch Verhaltensweisen, die wir putzig finden – oder nervend – weil wir ihre Aktionen belohnt haben.

Kätzische Vorlieben erkennen

Das Haustier Katze ist empfänglicher für Belohnungen als sein Vorfahr. Daher stellt sich nicht die Frage, ob eine Katze erzogen oder sogar trainiert werden kann, sondern wie – wann und womit man welches Verhalten eines Individuums verstärkt.

Ziel der aktuellen Arbeit von Kristyn R. Vitale Shreve, Lindsay R. Mehrkam und Monique A.R. Udell war es herauszufinden, ob Hauskatzen sich lieber mit Menschen abgaben, mit Futter, Spielzeug oder potenziell interessanten Gerüchen. Dazu durfte jede der untersuchten 25 Katzen aus Privathaltung und 25 aus Tierheimen aus je drei Angeboten zu jeder der vier Kategorien frei wählen, d.h. ob sie in der Kategorie Futter z.B. lieber Hühnchen, Thunfisch oder Leckerlis mit Hühnchengeschmack mochten.

Die Vorliebe jeder Katze für eines der Angebote jeder Kategorie ergab sich aus der Beschäftigungsdauer, d.h. wenn sie ein Element gegenüber den anderen bevorzugte, obwohl alle zugänglich waren, z.B. dass sie länger an Katzenminze schnupperte als an den anderen Geruchsquellen.

Spielen macht Spaß, wenn ein Mensch das Spielzeug animiertDie meisten Katzen mochten

  • lieber mit Menschen spielen (bzw. mit dem animierten Spielzeug), dicht gefolgt von Streicheln, nur wenige wollten ihnen nur zuhören;
  • lieber Thunfisch, gefolgt von Hühnchen, weniger mochten die Leckerli;
  • lieber mit einem bewegten Spielzeug als mit bewegungsloser Maus oder Feder spielen;
  • lieber an Katzenminze schnüffeln als an dem eines (mausähnlichen) Gerbils oder dem Geruch einer unbekannten Katze.

In einem zweiten Durchgang wurden für jede Katze die von ihr bevorzugten Elemente aus jeder der vier Kategorien in einem Quadrat arrangiert, also z.B. Mensch mit Federangel, Thunfisch, Spielmaus und Katzenminze. Die Katze wurde in die Mitte des Vierecks gesetzt und durfte wieder frei wählen, mit wem oder was sie sich beschäftigt.

Auf der so ermittelten, allgemeinen „Wunschliste“ der Katzen lagen Interaktionen mit Menschen zwar knapp, aber immerhin noch vor Futter, während Spielzeug weniger Interesse auslöste und Gerüche bei noch weniger Samtpfoten. Diese Ergebnisse belegen also, dass Menschen für die meisten Katzen sehr wohl wichtig sind, nicht nur (!) als Dosenöffner. Die Unterschiede der kätzischen Vorlieben interpretieren die Autorinnen als Folge des schon erwähnten Zusammenspiels von Veranlagung und Erfahrungen. Hauskatzen sind eben doch nicht alle gleich, einige mögen eben Futter, Spielzeuge oder Gerüche lieber als Menschen.

Trotz der durchschnittlich recht eindeutigen Vorlieben gab es also abweichende „Geschmäcker“. Die Autorinnen betonen, dass man dies bei der Wahl von Belohnungen berücksichtigen muss, wenn man der Katze etwas beibringen sowie im wissenschaftlichen Experiment ihre Fähigkeiten testen will. Fast immer setzt man Futter als Verstärker ein, das aber nur dann wirkt, wenn es der individuellen Katze wirklich schmeckt. Und bei einigen sind soziale Interaktionen eben stärkere Belohnungen als Futter. Also vor dem Training besser bei jeder Miez „nachfragen“. Und natürlich muss die Katze motiviert sein, d.h. sich für eine Aufgabe im „Erkundungsmodus“ befinden, aber auch nicht völlig satt (oder „sattgestreichelt“), weil Futter und Streicheln dann nicht mehr als Belohnung wirken.

Übrigens wählten Hauskatzen mit Familienanschluss nicht anders als solche in Tierheimen. Dies zeigt, wie wichtig ehrenamtliche Katzenstreichler für das Wohlbefinden der Bewohner sind, die entsprechend der kätzischen Vorlieben Spielzeug animieren oder streicheln, oder beides nacheinander. Obwohl sich die hier getesteten Katzen weniger lange mit Geruchsquellen beschäftigten als mit anderen Objekten, sind auch die eine willkommene Abwechslung im Katzenleben, wie die Autorinnen in einem früheren Artikel herausfanden.

Diese Studien belegen, dass die meisten Katzen in uns doch mehr als nur den "Dosi" sehen, der Leckereien liefert. Wir können mehr: Streicheln, Spielen, sie unterhalten, ihr Nest herrichten und heizen, ... und ihnen zumindest etwas Sicherheit bieten. Ich hätte übrigens kein Problem damit, ein "Nutztier" für meine Katzen zu sein. Ich sehe unsere Beziehung aber eher als Symbiose, denn schließlich genieße auch ich Vorteile im Zusammenleben mit ihnen, schon dadurch, dass sie mich täglich aufheitern.

Quellen:

Edwards, C., M. Heiblum, A. Tejeda & F. Galindo (2007): Experimental evaluation of attachment behaviors in owned cats. – Journal of Veterinary Behaviour, 2: 119-125.

Merola I., M. Lazzaroni, S. Marshall-Pescini, E. Prato-Previde (2015): Social referencing and cat–human communication. – Animal Cognition, 1–10, doi:10.1007/s10071-014-0832-2

Potter, A. & D.S. Mills (2015): Domestic Cats (Felis silvestris catus) Do Not  Show Signs of Secure Attachment to Their Owners. – PLoSONE10(9): e0135109.doi:10.1371/journal.pone.0135109

Saito, A. & K. Shinozuka (2013): Vocal recognition of owners by domestic cats (Felis catus). – Animal Cognition, 16: 685–690, DOI 10.1007/s10071-013-0620-4.

Vitale Shreve, K.R., L.R. Mehrkam & M.A.R. Udell (2017): Social interaction, food, scent or toys? A formal assessment of domestic pet and shelter cat (Felis silvestris catus) preferences. – Behavoural Processes, http://dx.doi.org/10.1016/j.beproc.2017.03.016

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