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Wichtig: Verhütung und Schutz

Streunerkatzen leidenDem Wohlergehen ALLER Hauskatzen zuliebe müssen wir ihre Fortpflanzung dringend einschränken. Lassen Sie Ihre Katze und Ihren Kater rechtzeitig kastrieren und unterstützen Sie Kastrationsaktionen für verwilderte Katzen, z.B. über das Bündnis Pro Katze.

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Sind Katzen gestresst? Und wie sieht man es ihnen an?Stress kennt jeder. Aber nicht jeder glaubt, dass auch Katzen ihn empfinden und darunter leiden können. Eine aktuelle Studie hat ergeben, dass Katzenhalter außerdem nur sehr deutliche Stressreaktionen erkennen, viele werden übersehen und als normales Verhalten interpretiert.

Was ist Stress?

Wohlbefinden und Stress sind prinzipiell individuelle Empfindungen, die hauptsächlich von Erfahrungen abhängen. Das bedeutet, dass etwa Nähe zu Menschen und Streicheleinheiten bei der einen Katze Hochgenuss auslöst, bei einer anderen Panik – abhängig von Entwicklung und Qualität der Beziehung. Gleiches gilt für ein Leben mit Artgenossen, mit Hunden, bei ausschließlicher Wohnungshaltung, bei Besuch, beim Tierarzt ... Die Liste potenzieller Stressoren, wie die Auslöser von Stress genannt werden, lässt sich lange fortführen.

Wie man Stress bei Hauskatzen erkennt, ist Schwerpunkt zahlreicher Studien und steht noch nicht endgültig fest. So diskutiert man noch über die Aussagekraft diverser Blutwerte, z.B. Cortisol, das „Stresshormon“, da auch die Blutentnahme Stress verursacht und man nicht sicher abgrenzen kann, ob eine Katze mit erhöhten Werten sich daheim unwohl fühlt oder wegen Tierarzt samt Assistent, Praxisaufenthalt, Anfahrt etc.). Wesentlich vorteilhafter und durchaus aussagekräftig sind Verhaltensmerkmale, die eben nicht-invasiv festgestellt werden, allein durch Beobachten.

Katzenexperten sind in der Interpretation von Verhalten und Körpersprache incl. Mimik geschult. Auch Katzenhalter sollten in der Lage sein, den Grad des Wohlbefindens ihrer Schützlinge sowie Angst, Furcht, Ärger und Stress zu erkennen. Dadurch können sie ihnen eine gute Lebensqualität bieten und bei Problemen mit den Samtpfoten Verhaltensberater und -therapeuten verlässlich über Stressreaktionen informieren.

Chiara Mariti und ihre Kollegen untersuchten nun, wie zuverlässig Menschen das Verhalten von Katzen beurteilen können, indem sie Fragebögen von 194 italienischen Haltern auswerteten. Sie erfragten allgemeine Hinweise auf Stress, das Verhalten der eigenen Katzen sowie deren Lebensbedingungen und Stressreaktionen.

Dass auch Hauskatzen unter Stress leiden können, glaubten immerhin 90 % der befragten Katzenhalter. Das heißt aber auch, dass 10 % der Halter davon ausgingen, Katzen empfänden – vermutlich als „Wellness-Experten“ und mangels Leistungsdruck – generell keinen Stress.

Stresssymptome

Folgende Verhaltensweisen können auf Stress hinweisen:

Häufiges Miauen, zurückgelegte Ohren, eingezogener Schwanz, Schwanzwedeln, erweiterte Pupillen, Unsauberkeit, zittern, schnaufen, Fell ausrupfen, verstecken, verkrampfen (einfrieren), dasselbe Zimmer mit anderen Tieren und/oder Fressen in deren Nähe vermeiden, häufiges Kratzmarkieren, Aggression, wiederkehrende Blasenentzündungen.

Häufiges Verstecken ist meist ein Anzeichen für StressUnd welche Reaktionen ordnen wir Stress zu?

Viele dieser möglichen Stressreaktionen waren den befragten Katzenhaltern nicht bekannt. Allgemein interpretierten sie höchstens sehr auffällige Verhaltensweisen wie häufiges Miauen, zurückgelegte Ohren und Unsauberkeit als mögliche Anzeichen von mangelndem Wohlbefinden. Während die Halter von Hunden häufiger feine, unauffällige Symptome übersehen, z.B. Stresshecheln, wie man in einer früheren Studie herausfand, interpretieren Katzenpfleger viele Stressreaktionen als normale Verhaltensweisen. Besonders „Einfrieren“ (verkrampfte Bewegungslosigkeit), Mydriasis (erweiterte Pupillen), wiederkehrende Blasenentzündungen und Zittern brachten über die Hälfte der Teilnehmer der Studie nicht mit Stress in Verbindung, ebenso Katzen, die Nähe anderer Tiere vermeiden oder sich das Fell ausrupfen. Obwohl alle diese Merkmale auch körperliche Ursachen haben können, z.B. Parasiten oder Verdauungsprobleme, ist Stress ein häufiger, aber zumindest möglicher Auslöser, den man bei solchen Symptomen bedenken sollte, und keineswegs normal.

Die meisten Befragten berichteten, ihre Katzen seien höchstens gering gestresst und dies nur in bestimmten Situationen. Über starken und häufigen oder sogar ständigen Stress waren sich zwar nur gut 5 % der Halter sicher, allerdings suchte keiner von ihnen Rat bei einem Katzenexperten – und hochgerechnet leiden Hunderttausende von Katzen unter diesem beklagenswerten Zustand, wie die Autoren betonen.

Offenbar besteht immer noch ein großer Bedarf an Aufklärung über Stress bei Hauskatzen. Dieser Bedarf wird auch durch den sehr hohen Prozentsatz der Antwort „Das weiß ich nicht“ auf Fragen zu allgemeinen Stressreaktionen und -empfinden der eigenen Katze deutlich; entweder die Halter haben solche Verhaltensweisen nie bei den eigenen Katzen beobachtet oder es fehlt schlichtweg an Kenntnis über deren Emotionen und Verhalten.

Außerdem wissen nicht viele Halter, was Stress bei Katzen verursachen kann, und kennen damit auch kaum Möglichkeiten, das Wohlbefinden ihrer Schützlinge zu verbessern.

Häufige Stressoren

  • Veränderungen in ihrem Lebensraum: Beschränkung auf weniger Räume, Ändern der Einrichtung etc.
  • fehlende Möglichkeiten, arteigene Verhaltensweisen auszuleben: kaum Möblierung und Reize, keine Kratzgelegenheiten etc.
  • soziale Konflikte: neue Mitbewohner und bestehende Unverträglichkeit
  • schlechte Beziehung zum Halter (oder umgekehrt): Veränderungen regelmäßiger Routinen und Rituale und oft unterschiedliche und damit unberechenbare Reaktionen des Halters
  • fehlende Sicherheit: Kontrolle über ihr Leben und Voraussagbarkeit von Ereignissen (Katzen entscheiden gerne selbst, was sie machen, und wissen, was auf sie zukommt)
  • Fahrten zum Tierarzt oder Reisen allgemein (für Katzen ungewohnt oder mit unguten Ereignissen verknüpft; es ist sinnvoll, sie in der Jugend an Reisen im Transportkorb zu gewöhnen)

Häufige und lang anhaltende Stressreaktionen zeigen, dass sich die Katze in ihrer Situation oder in ihrem Lebensraum definitiv nicht wohlfühlt. Und dies kann sich nachhaltig auf ihre Gesundheit auswirken, etwa auf eingeschränkte Funktionen von Nieren, Blase und Herz, um nur einige mögliche der so genannten stressinduzierten Erkrankungen zu nennen. In diesen Fällen, auch nur bei einem solchen Verdacht, sollten Katzenhalter sich Gedanken über Strategien zur Stressvermeidung machen oder sich an einen erfahrenen Verhaltensberater und -therapeuten wenden.

Stress = Stress?

Man darf nicht vergessen, dass sich Stress nicht immer und nur negativ auswirkt wie diese starken Ausprägungen: Disstress (oder Dysstress, engl. distress: eine große Notlage) und Overstress (Überbeanspruchung). Auch kleine Herausforderungen werden als „stressig“ empfunden, dann als Eustress bezeichnet, wenn sie den Organismus positiv beeinflussen. Denn die Lösung eines (kleinen) Problems ist äußerst erfreulich: u.a. sorgt das „Glückshormon“ Dopamin für ein Hochgefühl und stärkt Selbstsicherheit und Lebensqualität. Sorgen Sie sich also nicht über gelegentliches (!) Schwanzwedeln und Miauen – wenn Ihre Katze die Situation kontrollieren und meistern kann, wird sie anschließend umso zufriedener sein. Und völlig ohne Herausforderungen mag auch keine Katze leben, denn auch Langeweile kann Stress auslösen.

Quelle: Mariti, C., F. Guerrini, V. Vallini, J.E. Bowen, J. Fatjó, S. Diverio, C. Sighieri & A. Gazzano (2017): The perception of cat stress by Italian owners. – Journal of Veterinary Behavior, 20: 74-81.

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