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Ich hatte viele Lehrer in Theorie und Praxis, aber die besten praktischen Erfahrungen sammelt man am besten von den Katzen selbst. Für mich stand schon in meiner Kindheit fest, dass es nicht DIE Katze gibt (oder DIE Kuh, DEN Hund), sondern dass auch jedes Tier eine Persönlichkeit ist. Damit ist jede Katze wie jeder Mensch einzigartig.

Viele Katzen haben mir dabei geholfen, die zahlreichen Facetten der Katzen-Persönlichkeiten zu erkennen und wie man mit ihnen freundschaftlich und respektvoll umgeht. Die wichtigsten Lehrer waren meine eigenen Katzen incl. die meiner Kindheit und Jugend, weil sie mir die intensivsten "Schulstunden" bescherten. Hier stelle ich die Katzen vor, die mein Leben bereichert haben, angefangen mit denen, die es aktuell verschönern:

Emma und Jamie

kamen am Karfreitag 2018 zu mir. Ihre ersten sechs Lebensmonate verbrachten sie auf den Straßen Zülpichs und sieben Monate im Tierheim Mechernich, wo sie als "unberührbar" galten; tagsüber versteckten sie sich in einer gemeinsamen Schlafhöhle. Über ihre Eingewöhnung könnte ich einen Roman schreiben, wie über alle meine Katzen. Etwa drei Monate später entpuppten sich beide als ausgesprochen verschmuste und vertrauensvolle Mitbewohner. Sie zeigten mir, was man mit Geduld, bedachtem Umgang und einigen katzenpsychologischen Tricks erstaunlich schnell erreichen kann. Und sie bringen mich oft zum Lachen. 

 

 

Emma (* April 2017)

ist eine kleine (knapp 3 kg "schwere"), quirlige Maus, sogar für meine gute Kamera oft zu schnell für scharfe Fotos. Sie ist eine leidenschaftliche Mäusejägerin, die in den umliegenden Wiesen und Wäldern täglich Strecken von gut 15 km zurücklegt, wie mein Datenrekorder aufzeigt; und das auch, nachdem sich die Beziehung zu ihrem Bruder wieder deutlich verbessert hat (siehe Jamie). Anschließend stehen ein leckeres Mahl, Kampfschmusen mit mir, ein ausgiebiger Powernap und Aufwärm-Spiele auf dem Programm, bevor sie erneut ihr Streifgebiet erkundet. Emma erinnert mich daran, dass gemeinsam verbrachte Qualitätszeit nicht nur enorm wichtig für das Wohlbefinden ist, sondern auch für ein subjektives Sicherheitsgefühl.
 

Jamie (* April 2017)

wurde durch den Freigang zu einem anspruchsvollen Spielpartner. Ich muss tief in meine Trickkiste greifen, um ihn im Haus zu beschäftigen. Das war und ist gelegentlich immer noch nötig, damit Emma nicht als sein Jagd- und Prügelspielzeug herhalten muss. Der fast schon übliche Geschlechterkonflikt lässt grüßen. Dank einiger verhaltenstherapeutischer Maßnahmen haben sich die Wogen wieder geglättet und beide teilen sich Haus, Hof und Garten – meistens friedlich. Jamie ist ebenso wanderfreudig wie seine Schwester und ein aktiver Sportler, der mich mit seinen athletischen und sprunggewaltigen Übungen immer wieder begeistert. Und als katzentypischer Wellnessexperte genießt er seine Erholung im Haus mit Einfordern intensiver Streicheleinheiten und Einüben eleganter Schlafpositionen. Jamie lehrte mich, wie erstaunlich schnell Vertrauen und Entspannungssignale das Verhalten auch von scheuen Katzen beeinflussen können.

 

In memorandum

Kato (ca. 2007–14.03.2018)

war ein stattlicher Kater, aber auch ein Sensibelchen. Er tauchte Ende 2009 in unserem Dorf auf, erst nur als Pfotenabdrücke im Schnee, nach geduldigem Anfüttern als grauer Schatten. Erst zwei Monate später bekam ich Gelegenheit, ihn als Kater zu identifizieren. Wenige Wochen später hatte sich der "scheue Hofkater" zum Vertrauten entwickelt und ich wagte es, "Prinzessin Christa" davon zu überzeugen, auch das Haus mit ihm zu teilen. Es funktionierte, wenn auch mit (den oft üblichen) Abstrichen: sie wurden keine besten Freunde, aber akzeptierten sich und teilten sich später sogar Sofa und Bett. Leider wurde bei dem großen Kerl schon bald eine Herzerkrankung (hypertrophe Kardiomyophathie) festgestellt, die ich jahrelang gut im Griff halten konnte. Nach Christa's Tod zog Paulchen bei uns ein, der sich besser mit Kato verstand. Als auch Paulchen starb, verzichtete ich auf eine neue Zweitkatze – ich wollte Stress möglichst vermeiden und den hätte jeder neue Mitbewohner Kato bereitet. Für eine Katze, die wahrscheinlich draußen aufgewachsen war, gewöhnte Kato sich sehr gut ein. Trotz aller Umsicht reagierte er aber zeitlebens empfindlich auf so manche Geräusche, Gerüche und hektische Bewegungen; er war hochsensibel. Er liebte ein gutes Mahl, seine Ausflüge und aufmerksame Streicheleinheiten – ließ ich mich ablenken, quittierte er dies mit heftiger, aber folgenloser Abwehr. Er starb "im besten Alter" an Herzversagen. Ich vermisse seine "Erinnerungen" an Essenszeiten und die "Meckerei", wenn ich nicht spätestens eine Stunde vor jeder Mahlzeit wieder heimkam. Sie brachten dem liebenswerten Riesen seinen Zweitnamen ein: Eckhard der Hungrige. Kato lehrte mich intensiver als jede andere Katze, mich im Umgang incl. beim Clickertraining auf das individuelle Tempo einer Katze einzulassen, v.a. auf die Geschwindigkeit, in der sie lernen, und die bei Kato eben etwas gemächlicher ausfiel als bei anderen.

 

Paulchen (?–08.07.2017)

war ein geselliger, gutmütiger Senior. Das war er schon, als er durch die Vermittlung meiner Tierärztin im März 2013 zu uns kam. Er verstand sich gut mit Kato, dem er zu fitten Zeiten wie ein Schatten folgte. Er lebte noch sechs Jahre glücklich und trotz seiner früh entdeckten chronischen Nierenerkrankung recht zufrieden bei uns. Paulchen brachte eine Menge Lebenserfahrung mit: viele hilfreiche, wie sein Anpassungsvermögen an Kato's Vorlieben und Abneigungen, aber auch ungünstige, z.B. seine lange andauernde Furcht, z.B. Fensterbänke und kleine Räume zu erobern. Es dauerte einige Zeit, bis er Kato alle gemütlichen und/oder aussichtsreichen Katzenplätze im Haus abgeschaut hatte. Und es dauerte lange, bis er lernte, nach etwas oberhalb des Bodens pföteln zu dürfen; das Clickertraining mit ihm war durchaus anspruchsvoll. Weil er sich vor der Annäherung von Schuhen/Füßen und vor stockähnlichen Objekten fürchtete, gehe ich davon aus, dass in seinem früheren Leben etwas ziemlich schief gelaufen war. Aber nicht alles, denn Paulchen war sehr gut sozialisiert, sowohl gegenüber Menschen als auch Katzen, und absolut friedfertig. Als typisch zurückhaltend-freundliche Persönlichkeit liebte er Gesellschaft, die Streicheleinheiten v.a. mit meinem Freund genoss er euphorisch; aber man musste sie ihm anbieten – nie kam er von selbst und hätte seine Sozialpartner auffordernd angestubst. Nach etwa zwei Jahren wurde Paulchen taub und stellte mich damit vor einige besondere Aufgaben, z.B. mich bemerkbar zu machen, ohne ihn zu erschrecken, oder ihn im Garten zu finden. Paulchen ließ ich erlösen, nachdem mehrere seiner Organe versagten. Ich vermisse seinen schmachtenden Blick, wenn sich "endlich" ein Schmusepartner näherte, und wie er nachts immer wieder so dicht an mich heranrückte, dass er gegen Morgen mitten auf der Bettdecke lag und ich daneben; dann ließ er sich aber problemlos "verrücken", dass wir die Decke wieder teilen durften. Paulchen Panther erinnerte mich v.a. daran, immer offen für Neues zu sein (er hatte einige katzenuntypische Eigenheiten auf Lager) und auszuprobieren, z.B. meine Katzen-Streicheltechniken anzupassen, bis das schmusewillige Paulchen sich genüsslich tiefenentspannt ausstreckte, und das war gar nicht so einfach.

 

Christa (25.05.1997–01.11.2012)

war meine Clickerkönigin. Sie zog im Alter von drei Tagen zusammen mit ihrer Schwester Mir, ihrem Bruder Ali und ihrer Mutter Micky in unsere frühere Wohnung in einem Dorf ein. Mit etwa drei Monaten fanden die beiden roten Mädels ein neues Heim, wurden umgetauft in – nun ja – Frau Müller und Tante Christa, bis die Familie zehn Jahre später in eine Großstadt ziehen musste. Frau Müller war gestorben und Tante Christa kam wieder zu uns, jetzt in ein anderes Haus in schönerer Umgebung und zu Leon. Die rote, zierliche Kätzin hörte auf ihren Namen, kam aber erfreulicherweise mit der Kurzform Christa klar, später auch mit Christinchen, Kathrinchen, Trinchen und feines Mädchen. Sie arrangierte sich mit Leon und später mit Kato, obwohl sie ihr späteres Leben wahrscheinlich lieber als Einzelprinzessin genossen hätte; aber manchmal kommt es eben anders als man denkt (siehe Kato). Schon während ihrer "Inhaftierung" bei der Eingewöhnung lernte sie das Clickertraining lieben; spielen wollte sie nicht, aber diese Beschäftigung lag ihr. Mit den Videos ihrer Trainingseinheiten habe ich schon viele Katzenfreunde gefesselt und geschult, weil sie zeigen, wie Katzen lernen, vom ersten Ansatz bis zum perfekten Kunststück. Sie hat auch mich mit ihrem erstaunlichen Einfallsreichtum und Eifer begeistert. Wenn ich sie rief, kam sie aus Wiese oder Wald herbeigeprescht. Zu möglichen Trainingszeiten wartete meine großartige Teamgefährtin oft schon auf mich und ging die Aufgaben energisch an. Christa liebte das Clickern bis zu ihrem Tod; die Übungen, angepasst an ihre körperlichen Fähigkeiten, ließen sie aufblühen – sie hatte wieder etwas Tolles erreicht. Natürlich liebte sie auch andere Tätigkeiten, z.B. Mäusejagd und Intelligenzspielzeug-Fummeln, bei denen sie genauso unermüdlich war wie beim Clickern. Und auf meinen Beinen oder denen meines Freundes zu liegen, sich dabei streicheln und schmeicheln zu lassen, und auch, nach einer aktiven Nacht lange im Bett auszuschlafen. Christa starb an einer ungeklärten Ursache, nachdem jede Behandlung versagt hatte. Ich vermisse mein "feines Mädchen" (diesen Kosenamen mochte sie wohl am liebsten), nicht nur, weil sie so clever war, dass sie z.B. auch Türklinken bedienen konnte. Christa lehrte mich viele Details des Clickertrainings und wie interessant das Leben mit einer intelligenten Katze ist.. 

 

Leon (ca. 14.05.1997–09.03.2009)

war die friedlichste Katze, die ich je kennenlernen durfte. Nun ja, außer zu Mäusen und Spinnen. Bei Blickkontakt zu Menschen und Katzen blinzelte er so ausdauernd, dass seine Augen auf nur wenigen Fotos zu sehen sind. Leon wurde uns von einer Bekannten "zugetragen", bei der er unbedingt einziehen wollte, die ihn aber nicht aufnehmen konnte. Er war damals mit ca. 14 Wochen nur wenig älter als Ali, der mit seiner Mutter bei uns wohnte, und mit dem er sich innerhalb eines Tages anfreundete und etwas später, aber wochenlang, Micky's Gesäuge teilte. Es war herrlich, die beiden Jungkater in Aktion zu erleben: Verfolgungsjagden mit wechselnden Rollen und (bis auf gelegentliches dumpfes Poltern) lautlose Raufereien, die perfekt choreographiert schienen. Sie konnten sogar beim Spielprügeln neben- oder übereinander einschlafen, manchmal noch mit dem Hals des Kumpels in der Schnauze. Nachdem Ali uns viel zu früh verließ, musste er dessen Nachfolger Floh "einnorden" und später Eddie, was er nach einigen Anlaufschwierigkeiten hervorragend schaffte. Beide hingen sehr an ihrem großen, gutmütigen Freund, der sie allerdings gelegentlich wie ein Sumo-Ringer gegen (einen einzelnen) Ninja-Kämpfer in ihre Grenzen weisen musste – und kurz später lagen die drei Kater aneinander gekuschelt auf einem großen Liegeplatz und Leon hatte einige Wochen Ruhe vor den beiden "Plagegeistern". Gegenüber Christa, die nach Eddie's und Floh's Tod einzog, brauchte er keine Kampfstrategien, sie wollte andererseits auch nicht mit ihm kuscheln; gut, dass er sein Bedürfnis nach Körperkontakt bei "seinen" Menschen stillen durfte. Leon liebte auch fremde Menschen, kam oft sogar kurz nach Besuchern ins Haus und ließ sich bewundern. Leon liebte unsere Spaziergänge, oft zusammen mit Eddie, und unterbrach beim Stichwort "Leon spazieren" sogar seinen Mittagsschlaf. Ich musste ihn aufgrund einer fortgeschrittenen Niereninsuffizienz erlösen lassen. Ich vermisse seine Kooperationsbereitschaft bei der Suche nach optimalen Arrangements und Harmonie, z.B. unsere gemeinsamen "Wendemanöver", wenn er sich auf meinen Beinen liegend umdrehen wollte, ohne aufzustehen. Er lernte sehr schnell, sowohl sich mit anderen zu arrangieren, als auch, Probleme selbst zu lösen. Am liebsten natürlich, wenn es sich für ihn lohnte. Mit dem geduldigen und klugen Leon konnte ich fast alle Aspekte der Lerntheorien vertiefen und er brachte mir schnell bei, welche sich für Katzen besonders eignen.

 

Floh (10/1998–08.03.2007)

war eine liebenswerte "Großbaustelle". Nicht gesundheitlich, aber psychisch, weil er wirklich nicht einfach war. Er kam Ende 1998 mit knapp drei Monaten von einer Pferdepension, wo er sich den Hof mit einigen Katzen und einer Ente teilte. Nach Ali's Verschwinden sollte er eine Lücke füllen, ohne den verlorenen Kater ersetzen zu müssen. Das gelang ihm hervorragend. Seinen Namen bekam er wegen seiner imposanten Luftsprünge, wenn er sich erschreckt hatte. Und Floh erschreckte sich häufig, sogar vor einem halben Grashalm oder einem Stück Kabelbinder (sein Lieblingsspielzeug), die sich im bunten Teppich versteckt hatten und auf die er zufällig getreten war. Trotz seiner Ängstlichkeit war nichts vor ihm und seiner Neugier sicher. Kartons nahm er schon in Besitz, bevor ich sie ausgepackt hatte, und er liebte es, das Gepäck meines damals oft reisenden Freundes gründlich zu untersuchen – vor der Abreise und nach der Heimkehr sowieso. Weil Floh auch sehr aktiv war, sich aber in unserer früheren Wohnung weigerte, tagsüber das Haus zu verlassen, hatte ich viel Gelegenheit, ihm vieles beizubringen, auch ohne Clicker. Dadurch blieb er bei Behandlungen von Wunden und einmal Ohrmilben erstaunlich entspannt. Ich konnte ihn gewissermaßen "auf links drehen". Floh war penibel sauber (beim Einzug roch er noch nach Vogelexkrementen), duldete keinerlei Schmutz im Haarkleid. Gut, dass Leon seinen Kopf gründlich putzte – freiwillig oder gezwungenermaßen. Denn wenn Floh seinen Kopf unter Leon's Nase hielt, der aber weder ausweichen noch ihn putzen wollte, startete der jüngere Kumpel eine Rauferei. Es blieb aber selten beim Spiel, denn Floh's Emotionen gingen schnell mit ihm durch und er wurde im Verlauf des Spielprügelns immer "verbissener", bis sein Kumpel aufgab oder ich ihn wieder beruhigte. Dabei war Floh ohne Leon absolut nicht glücklich. Er war allgemein durchaus gesellig, liebte Schlaf mit Körperkontakt. Oft kam er auch ins Haus und suchte Mitglieder "seines" Rudels. Aber er wollte nicht unbedingt Tuchfühlung, meist reichte es ihm zu wissen, wer sich wo aufhielt; nach der Musterung des Hauses ging er wieder in den Garten. Bei aller Geselligkeit hatten seine beiden Kumpel zu "spuren": Wehe, Eddie sprang ihn im überschwänglichen Spiel an; aber dann reichte ein fester Blick und der kleine Angreifer wich respektvoll zurück. Floh liebte Kontrolle! Und damit auch das Clickertraining. Er war mein erster Katzenpartner bei diesen interessanten Spielen und wir spornten uns gegenseitig an. Er lehrte mich, dass auch für Katzen echtes Lob wichtiger sein kann als Futterverstärker: Einige Male wollte er unbedingt weiter "turnen", obwohl er die verdienten Leckerlis links liegen ließ; er freute sich aber sichtlich, wenn ich ihn nach jedem Click lobte und streichelte. Er wurde auf unserer Anliegerstraße von einem Auto überfahren. Floh brachte mir außerdem bei, dass "Macken" nur eine Frage des Blickwinkels sind. Ich vermisse seine energiegeladene Neugier ebenso wie die kritischen Begutachtungen seines Umfeldes.

 

Eddie (ca. 11.10.2000–30.04.2006)

war unser Sonnenschein. Mein Freund brachte ihn 2000 am Nikolaustag von einer Arbeitsstelle mit, wo er mit ca. acht Wochen Anschluss und Futter suchte. Niemand in dem kleinen belgischen Dorf kannte ihn und so bekam er zu essen und reiste am Ende des Tages mit zu uns. Eddie suchte dringend Kontakt, den die gerade erwachsenen Kater Leon und Floh erst nach einigen Wochen duldeten. Also stand v.a. ich vor der schönen Aufgabe, mit ihm zu schmusen und zu spielen. Der Fundort und sein ausgiebiges Streichelbedürfnis brachte ihm seinen Namen ein: Der kleine Kater tretelte mit den Vorderbeinen wie ein Radrennfahrer – wie Eddie Merckx. Das Treteln ließ nach wochenlangen Streichelmarathons etwas nach, hielt sich aber lebenslang, meist in Form von "Lufttreteln", während er auf der Brust meines liegenden Freundes, selbst auf dem Rücken liegend, dessen Zuwendungen genoss. Eddie war ein Profi in Sachen Putzigkeit. Wollte er schmusen, konnte ihm niemand widerstehen, schon gar nicht Günther als Eddie's bevorzugte Anlaufstelle: Er schnurrte und gurrte in den lieblichsten Tönen, drehte sich dabei auf den Rücken – und tretelte wie ein Weltmeister. Wenn das nicht half, kroch er vorsichtig zu Günther's Kopf und schob sein Näschen durch dessen Bart, in noch höheren Tönen schnurr-gurrend. Spätestens dann hatte er jeden überredet ihn zu streicheln. Und Eddie genoss es sichtlich, wenn man seinen Bauch streichelte, v.a. den extrem weich behaarten Unterbauch. Wie Leon liebte Eddie unsere gemeinsamen Spaziergänge. Wenn wir uns weiter von Zuhause entfernten, stieg seine Aufregung und er setzte den Flaschenbürsten-Look auf: das Fell an seinem Schwanz sträubte sich. Und er wedelte, dass es ihm den Zweitnamen Lassie einbrachte. Eddie war ein gutes Beispiel, dass Schwanzwedeln bei Katzen nicht unbedingt Aggression bedeutet. Er war interessiert und oft freudig erregt und ließ sich sehr gerne streicheln, auch wenn er mit dem Schwanz wedelte. Eddie war wie seine Kumpel sozial und sehr gesellig. Natürlich konnte er die beiden trotzdem prima ärgern, wenn er sich spielerisch prügeln wollte, v.a. den gutmütigen Leon. Allerdings sah er bei meinem (konditionierten) Signal "Eddie, putzen" von einer Attacke ab und leckte stattdessen seinem großen Freund das Fell. Eddie starb viel zu früh an Krebs. Ich vermisse seine unkomplizierte Gesellschaft und Freude, wenn er mich sah, seine putzigen Schmeicheleien und lustigen Eskapaden in Haus, Feld und Wald. Er lehrte mich, dass es auch unter Katzen ausgesprochene Optimisten gibt und dass man aus ihnen (nach Astrid Lindgren) "vieles hinausstreicheln kann".

 

Ali (25.05.1997–19.11.1998)

war ein Träumer und zusammen mit Leon ein "Dreamteam". Er kam zusammen mit Mutter und zwei roten Schwestern im Alter von drei Tagen zu uns. Als ein paar Wochen später die beiden Geschwister durchs Haus tobten, stand er oft etwas abseits. Er war aktiv und liebte Sozialkontakt, aber sie waren ihm zu stürmisch, v.a. beide gleichzeitig. Ali ließ sich lieber streicheln. Dass ein Boxweltmeister sein Namensgeber war, ließ er sich nie anmerken. Da sowohl mein Freund als auch ich dem oft verträumt wirkenden Katerchen als Ansprechpartner zur Verfügung standen, wurde er recht anhänglich. Er war die erste Katze, von der ich den Hauptruf hörte; Ali traute sich nicht zu mir in den Stall und rief nach Gesellschaft. Mit Leon fand er den perfekten Freund, mit dem er schmusen, kämpfen und "um die Häuser ziehen" konnte. Stets friedlich und in gegenseitigem Einvernehmen passten sie zusammen wie Topf auf Deckel. Nie werde ich vergessen, wie Leon sein erstes Beutetier ins Haus brachte – einen Regenwurm. Als er ihn im Wohnzimmer fallen ließ, setzten sich die beiden schwarzen Kater rechts und links neben die "Beute", tatzten abwechselnd nach dem armen Wurm und beobachteten fasziniert, wie er über den Boden kroch. Sobald Leon sich langweilte und dem Futternapf zuwandte, verlor auch Ali das Interesse und ich konnte das Tierchen in ein Beet bringen. Ali hatte besondere Vorstellungen von einem guten Spielzeug. Gekaufte Ware ignorierte er weitgehend, sprang aber sehr gut auf Kordeln und meine Dressurgerte an. Aber vor allem auf Spülschwämme: Als mir der erste beim Spülen auf den Boden fiel, war Ali völlig davon gefesselt, auf die Haftung an seinen Krallen, mit denen sich das tolle Spielzeug durch die Luft wedeln und werfen ließ, und die "Rupffähigkeit", als er es anschließend zu Konfetti zerlegte. Ich gönnte ihm die Freude, hatte bei späteren Einsätzen aber Bedenken wegen der Keimbelastung und bot ihm einen gleichartigen, unbenutzten Schwamm an, den er links liegen ließ, ebenso wie den gebrauchten, den ich ausgekocht hatte. Bälle oder sonstige Formen aus Schaumstoffen oder Textilien interessierten ihn genauso wenig, es musste ein gebrauchter Spülschwamm sein. Ali verschwand nach fast 18 Monaten zu unserem großen Entsetzen – wir wissen bis heute nicht, was mit ihm geschehen ist. Ich vermisse seine Zuverlässigkeit, mit der er im Haus auftauchte, seine Schaukämpfe mit Leon samt filmreifer Verfolgungsjagden und anschließendem "Paarschlafen" und seine stets freundliche, liebenswerte Art. Ali brachte mir bei, dass bei Katzen manche Dinge anders laufen als üblich und dass man das Beste daraus machen sollte.

Micky (?–ca. 2002)

war eigentlich nie "meine" Katze. Sie war die Mutter von Christa (aka Easy), Frau Müller (aka Mir) und Ali. Die hübsche Tortie-farbene zog vorübergehend vom Nachbarhof zu uns, nachdem wir erfuhren, dass sie ihre drei Kitten im Hof verteilt hatte und sich wenig für sie interessierte. Der Bauer war froh, dass wir uns um die kleine Familie kümmern wollten, ermahnte uns aber, Micky sei keine "Hauskatze" und würde in der Wohnung alles abreißen, was nicht niet- und nagelfest sei. Wir waren erstaunt, wie problemlos sie sich eingewöhnte. Sie setzte ein Bächlein auf dem Wohnzimmerboden ab, mein Freund saugte es mit Katzenstreu auf, schüttete es in ein Katzenklo und erklärte Micky freundlich den Sinn und Zweck dieser Einrichtung. Sie hat sich nie wieder woanders gelöst. Die kleine Kätzin war allgemein sehr klug. Wenn auf dem Nachbarhof niemand zum Füttern erreichbar war, hockte sie sich vor den Hundezwinger. Der Deutsche Schäferhund Joe fing prompt an zu bellen, bis jemand erschien, um ihn zur Ruhe zu rufen. Dann trat Micky ins Blickfeld des Menschen, rieb sich an seinen Beinen – und bekam ihre Mahlzeit. Dass sie die Zusammenhänge sehr gut verstanden hatte, zeigte sie unter erschwerten Bedingungen: Wurde Joe nur vom Fenster aus ermahnt und hörte auf zu bellen, drehte sie eine kurze Runde über den Hof, hockte sich wieder provokativ vor den Zwinger und löste damit eine neue Bellattacke aus. Und das, obwohl sie Joe niemals ohne einen trennenden Zaun gegenübergetreten wäre, und ihr die lauten Geräusche offensichtlich nicht gefielen. Aber die Strategie klappte, früher oder später kam ein Mensch in den Hof, den sie freundlich um Futter bitten konnte. Ich erfuhr nach unserem Umzug, dass Micky an den Folgen eines Verkehrsunfalls gestorben war. Ich bin dankbar, dass ich in der kurzen Zeit, in der ich sie kannte, über ihre erstaunlichen kognitiven Fähigkeiten staunen durfte.

Von den Katzen aus meiner Kindheit und Jugend gibt es leider keine Fotos. Geblieben sind mir nur Erinnerungen.

Die schwarz-weiße Pussy kam aus dem liebevollen Haushalt einer Krankenschwester. Damit war sie die einzige gut sozialisierte und mit etwa fünf Monaten erwachsenste Katze, die meine Eltern je aufgenommen hatten. Sie dankte es mit Ausgeglichenheit, Gelassenheit und Flexibilität. Sehr clever war sie obendrein, was auch meinen Vater erstaunte. Er setzte unsere Katzen gelegentlich zur gezielten Mäusejagd in der Kornkiste ein, wenn diese von zu vielen Nagern besucht wurde. Er trug sie auf dem Arm zur Kiste, öffnete den Deckel und "warf" die Katze hinein. Bei jeder dieser Aktionen erbeutete eine Katze 1-2 Mäuse und vergrämte den Rest mehrere Wochen lang. Pussy kam auf ein halbes Dutzend, nachdem sie dieses für sie sehr erfreuliche "Spiel" durchschaut hatte, und war damit aus Bauernsicht die beste Katze der Welt – zumal sie jeden Tag einige weitere Nager das Leben kostete. Im Alter wurde sie wie viele Katzen etwas "eigen". So durfte ich einmal beobachten, wie sie auf die Hofwiese kam, wo neben mir noch eine Frau (ein Pensionsgast) saß. Pussy ging zu ihr, drehte sich vor ihr um, spritzte Harn gegen die Beine der Frau und verließ die Wiese wieder. Heute sehe ich auch diese Anekdote aus einem anderen Blickwinkel; je mehr man über Katzen lernt, desto eher ist man in der Lage, auch vergangene Ereignisse zu verstehen. Pussy verschwand eines Tages spurlos, als ich schon ausgezogen war; alles Suchen blieb erfolglos. Ich danke Pussy für ihr großes Vertrauen und viele interessante Erfahrungen, etwa wie sie die Jagdhunde meines Vaters erzogen hatte, sie zu achten und in respektvollem Abstand zu warten, bis sie sich nach einer Mahlzeit langsam und weit genug von ihrem Napf entfernt hatte.

Wombel I war ihr Sohn, ein prächtiger, schwarz-weißer Kater, mit dem ich mich als junger Teenager viel beschäftigt hatte. In seiner Jugend war ich oft sein Sparringpartner und lief monatelang mit völlig zerkratzten Händen herum. Immerhin wusste ich damals schon, dass dies mein eigener "Verdienst" war und habe mir im Spiel mit ihm jegliche Schmerzäußerungen verkniffen. Eigentlich war es erstaunlich, dass er diese Erfahrungen nie gegen mich oder jemand anderen eingesetzt hatte. Es besteht durchaus die Gefahr, dass eine Katze mit dieser Vorgeschichte lästige Menschenhände durch Beißen und Kratzen abwehrt. Ich hatte ihn an vieles gewöhnt, u.a. auf dem Traktor oder im Anhänger mitzufahren. Rückblickend waren diese Habituationen ein Fehler, jedenfalls in dem Ausmaß – Wombel wurde im Alter von nur fünf Jahren Opfer des nachbarlichen Kreiselmähers. Seitdem achte ich darauf, dass Katzen Autos und sonstigen Maschinen weiträumig aus dem Weg gehen. Es ist unfair, ihm für diese Erkenntnis nachträglich zu danken. Für meinen Dank gibt es bessere Erkenntnisse und Ereignisse, etwa seine grenzenlose Geduld mit Brando, dem Deutschen Wachtelhund, zu zeigen. So sehr Brando Pussy respektierte, so zutraulich war er gegenüber Wombel. Wenn der große Kerl mit einer toten Maus in den Hof kam, stürzte Brando zum Kater und fraß die Maus an einem Stück – worauf sich Wombel umdrehte und noch einmal auf die Jagd ging. Mein Dank für viele Erziehungslektionen geht vor allem an ihn, der auch mit mir sehr geduldig war, mir aber trotzdem freundlich und bestimmt zeigte, was eine Katze noch tolerieren kann und was nicht.

Peter II erschien eines Tages im Spätherbst auf unserem Hof. Der schon ausgewachsene Kater in Classic Tabby (auch gestromt oder blotched: silbergrau mit breiter Schmetterlingszeichnung) eroberte mein Herz im Sturm. Als meine Oma mich ermahnte, ihn auf keinen Fall zu füttern, hatte ich dies schon längst getan. Und er blieb. Als er nach etwa zwei Wochen eines Morgens nicht zum Frühstück erschien, hatte sich das Blatt schon gewendet und meine Großmutter war unruhig; nach der Schule sollte ich ihn unbedingt suchen gehen. Peter verschwand immer wieder für ein paar Wochen, um dann gut genährt und gepflegt wieder aufzutauchen, als wäre nichts gewesen. Niemand von uns wusste, was er wo "trieb". Bis meine Oma ein Kaffeekränzchen gab. Als ihre Freundin vom 2 km entfernten Aussiedlerhof bei uns eintraf und Peter sah, fragte sie erstaunt, was denn ihr Kater bei uns machen würde. "Wie, Euer Kater – das ist unserer!" antwortete meine Oma energisch. Peter's Ausflugsziel war aufgedeckt. Auf dem Aussiedlerhof wohnten viele Katzen, aber auch ein großer Deckkater, der dem Novizen sicherlich das Leben schwer gemacht hatte, so dass er wenigstens vorübergehend ausweichen musste. Kurz später ließen wir Peter kastrieren und die Ausflüge hatten ein Ende. Peter verstand sich gut mit Pussy und allen anderen Bewohnern des Hofes. Er hatte die Angewohnheit, sich jede Beute "absegnen" zu lassen, bevor er sie fraß. Das heißt, er hockte sich mitten auf den Hof vor die tote Maus und wartete, bis jemand ihn lobte. Auf einem Bauernhof muss eine Katze darauf nicht lange warten – wenn keiner der Bewohner so experimentierfreudig ist wie ich. Einmal wollte ich unbedingt ausprobieren, wie viel Geduld Peter hatte und ignorierte ihn, während ich mein Fahrrad putzte. Peter wartete vor seinem Mahl, sicher fünf Minuten, bis ich Mitleid bekam und freundlich "Gänseblümchen" sagte. Diese Ansprache reichte ihm und sichtlich erleichtert begann er zu fressen. Peter wurde viele Jahre später ein Opfer des Straßenverkehrs. Ich danke ihm, dass er mir erste Einblicke in das Sozialleben von Katzen gewährte, im Besonderen in das von Katern vor und nach einer Kastration im "besten Alter".

Mecki, Blacky und Peter I wurden mit zehn Tagen Waisen, als ihre Mutter im Hof von einem Auto überfahren wurde. Der Fahrer hatte seinen Wagen rollen lassen, bevor er den Motor startete. Ich war noch zu jung, um die Kleinen zu pflegen und so übernahm meine Mutter diese Aufgabe. Aber ich durfte helfen, ihnen die Fläschchen zu geben, und Bäuchlein und Analregion reiben, bis sie sich gelöst hatten. Und natürlich durfte ich sie ausgiebig streicheln. Alle drei zeigten lange Zeit persistierendes Saugverhalten: Blacky (ganz schwarz, wie der Name schon sagt) saugte an seiner eigenen Schwanzspitze, Peter I (mit einem weißen Latz) an der Ecke eines Kissens, und Mecki, die Kätzin mit weißer Blässe, Latz und Pfoten, die meine enge Freundin wurde, am Ballen ihrer rechten Hinterpfote. Das Verhalten war lustig anzuschauen, ist aber eine häufige Folge der Handaufzucht und auch ein Zeichen von zu früher Entwöhnung und ähnelt einer Zwangsstörung. Meine Erinnerungen an die drei sind nur dürftig, geblieben ist jedoch ein spektakuläres Ereignis, als ich mit Mecki auf dem Arm in den leeren Kuhstall ging (es war Sommer und die Kühe auf der Weide) und ein junger Spatz gut einen Meter vor uns vorbeiflog. Plötzlich war Mecki nicht mehr auf meinem Arm, sondern in der Luft. Mit einem ordentlichen Satz hatte sie sich den Spatz im Flug gegriffen. Meine Versuche, den Vogel zu retten, scheiterten kläglich, Mecki brachte sich mit ihrer Beute in Sicherheit. Meine Liebe auch zu den so genannten Schädlingen hat die Beziehungen aller unserer Hofkatzen zu mir sicherlich gedämpft. Weil ich die Katzen auch rief, um ihnen lebende Mäuse abzunehmen (und in der Kornkiste in Sicherheit zu bringen), "gehorchten" sie mir weit weniger als meinem Vater, obwohl er sie "nur" zu besagter Jagd in der Kornkiste rief (siehe Pussy). Die lerntheoretischen Zusammenhänge habe ich erst viel später begriffen. Ich danke auch den drei Waisen für diese Erkenntnisse.

Letztendlich danke ich auch Minka und Mitzi, die meine ersten Annäherungen an Katzen erdulden mussten bzw. nicht wollten und Klein-Birgit aus dem Weg gingen (wie meine Eltern berichteten). Außerdem Wombel II, Tommi und Timmy, die bei meinen Eltern einzogen, während ich schon in der Stadt wohnte, und die ich bei Besuchen erleben konnte. Und Kater, Zorro, Punk und Tory, die ich bei Freunden in Bonn kennenlernen durfte. Jede hat ihre eigenen Geschichten, so wie die mittlerweile zahlreichen Kundenkatzen. Aber die würden den Rahmen hier wirklich sprengen.  

 

Catility - Verhaltensberatung und Unterstützung

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